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Es gibt Bücher, die eine Debatte zusammenfassen. Und es gibt Bücher, die selbst Teil dieser Debatte werden. Falsche Pandemien von Wolfgang Wodarg gehört zweifellos zur zweiten Kategorie.
Der erfahrene Lungenfacharzt, Epidemiologe und ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete war bereits 2009 eine Schlüsselfigur bei der Aufarbeitung der Schweinegrippe und warnte damals schon vor einer überzogenen Pandemiedramatisierung. Als Anfang 2020 erneut eine weltweite Gesundheitskrise ausgerufen wurde, gehörte Wodarg zu den ersten prominenten Stimmen, die vor Angstpolitik, mangelnder Evidenz und den enormen Kollateralschäden warnten – noch lange bevor die Regierung die Einführung einer Impfplicht diskutierte.
Sein Buch ist keine bloße Chronik der Corona-Jahre, sondern eine zielstrebige Analyse der Mechanismen, mit denen Angst erzeugt und politisch wie wirtschaftlich instrumentalisiert werden kann – um seine Leser für ähnliche Angstkampagnen zu wappnen. Wodarg hinterfragt die Rolle internationaler Organisationen, der Pharmaindustrie, von Behörden, Medien und Wissenschaft gleichermaßen und tut dies als ehemaliger Politiker aus einem Verständnis der internen Abläufe von politischen Organisationen. Er verbindet medizinische, epidemiologische und gesundheitspolitische Erfahrungen aus mehreren Jahrzehnten, wie es kaum jemand anderes im deutschsprachigen Raum vermag.
Obwohl ich mich selbst seit vielen Jahren intensiv mit den biologischen Grundlagen von Gesundheit und Krankheit beschäftige, habe ich bei der Lektüre noch enorm viel Neues gelernt. Besonders beeindruckt hat mich Wodargs Darstellung der Bedeutung von Koinfektionen. Mir wurde dadurch noch deutlicher, dass Infektionen in der Realität nur selten isoliert auftreten, sondern Koinfektionen eher die Regel als die Ausnahme sind. Das unterstreicht aus meiner Sicht die zentrale Bedeutung meines Konzepts der Herdengesundheit: Impfungen verschieben das Erregerspektrum höchstens, reduzieren aber nicht das allgemeine Erkrankungsrisiko. Ein gesundes, leistungsfähiges Immunsystem hingegen unterscheidet nicht danach, welchen Namen ein Erreger trägt – es hält einfach alle im Zaum.
Rückblickend ist bemerkenswert, wie viele Fragen, die während der Pandemie als unzulässig galten – etwa zur Aussagekraft des PCR-Tests, zu Kollateralschäden von Lockdowns, zur Bedeutung natürlicher Immunität, der Rolle der WHO oder zu Interessenkonflikten im Gesundheitswesen –, heute deutlich differenzierter diskutiert werden können als noch vor wenigen Jahren, als dergleichen zur Ausgrenzung, zum Eklat oder schlicht zur Löschung der Veröffentlichung führte. Das macht Wodargs Buch auch zu einem wichtigen zeitgeschichtlichen Dokument, damit nicht in Vergessenheit gerät, welche gravierenden Einschränkungen die Meinungsfreiheit erdulden musste – bis heute ohne Aufarbeitung oder Rechenschaft.
So scharf seine Kritik an Institutionen auch ausfällt, so beeindruckend ist hingegen seine ruhige, ärztliche Grundhaltung. Nie verliert er den Blick für den einzelnen Menschen, um den es am Ende immer geht. Sein eigentliches Anliegen ist nicht Empörung zu erzeugen, sondern ein Gesundheitswesen wieder herzustellen, das Transparenz, Verhältnismäßigkeit und Eigenverantwortung an erste Stelle stellt und sich nicht – aus machtpolitischen Interessen – der autoritären Steuerung durch Angsterzeugung bedient.
Ich hatte die Gelegenheit, Wolfgang Wodarg ausführlich zu seinem Buch zu interviewen (erscheint am 17.07. auf meinem YouTube-Kanal). Dabei wurde einmal mehr deutlich, dass sein wichtigster Appell unverändert aktuell ist: Wissenschaft braucht den offenen Diskurs – heute mehr denn je, wo so viel auf dem Spiel steht.
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