Aus Michaels Bücherecke:

Macht Steuert Wissen-Verlag

Endlich Frieden

100 Persönlichkeiten zeigen Zivilcourage

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Mein Kommentar:

Einhundert Stimmen aus Wissenschaft, Kultur, Publizistik und Sport haben sich in diesem Band zu einem Thema zusammengefunden, das dem öffentlichen Diskurs zunehmend abhandenzukommen scheint: dem Wunsch nach Frieden. Ich selbst durfte zu diesem Buch das Kapitel „Das friedensfähige Gehirn“ beitragen. Meine Kernthese lautet, dass Friedensfähigkeit keine Frage des guten Willens allein ist, sondern auch ein neurobiologisches Fundament besitzt. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Hippocampus als wesentlicher Bestandteil unseres mentalen Immunsystems. Die Fähigkeit, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen, eigene Ängste rational einzuordnen und nicht lediglich mit automatisierten Abwehrreflexen auf Bedrohungen zu reagieren, ist eine entscheidende Voraussetzung dafür, zwischen Eskalation und Kompromiss überhaupt noch wählen zu können

Was diesen Band besonders wertvoll macht, ist die Vielfalt der 100 Beiträge. Unter den Autoren finden sich neben Tom Lausen und Marc Friedrich zahlreiche weitere bekannte Persönlichkeiten – Historiker, Ärzte, Künstler, Publizisten und Vertreter anderer gesellschaftlicher Bereiche, die sich dem Thema Frieden aus ganz unterschiedlichen Perspektiven nähern. Das Buch ist deshalb keineswegs nur ein Chor Gleichgesinnter. Im Gegenteil: Es zeigt, dass ein gemeinsames Ziel nicht voraussetzt, dass alle Beteiligten gleich denken.

Bemerkenswert ist zudem, wie viele der hier versammelten Stimmen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk kaum oder überhaupt nicht vorkommen. Auch darin liegt eine besondere Bedeutung dieses Buches: Es eröffnet einen Raum für Perspektiven, Argumente und Fragestellungen, die im zunehmend verengten öffentlichen Diskurs nur noch selten Gehör finden.

In einer Zeit, in der Kriegsrhetorik wieder gesellschaftsfähig wird und die Rüstungsindustrie von fortgesetzter Eskalation profitiert, droht unsere Gesellschaft eine Fähigkeit zu verlieren, die für ihr Überleben entscheidend sein könnte: die Fähigkeit zum Frieden. Dieses Buch erinnert daran, dass Frieden weder Naivität noch Passivität bedeutet. Frieden setzt vielmehr die geistige und gesellschaftliche Fähigkeit voraus, Ängste zu überwinden, Feindbilder zu hinterfragen, andere Perspektiven einzunehmen und auch dort nach Verständigung zu suchen, wo Konfrontation einfacher erscheint.

Wer nach neurobiologischen, historischen, politischen und gesellschaftlichen Ansatzpunkten sucht, um diese Friedensfähigkeit zurückzugewinnen, dem sei dieser vielstimmige und gerade deshalb lesenswerte Band ans Herz gelegt.

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