Aus Michaels Bücherecke:

Will Tuttle

Ernährung und Freiheit

Die größte Revolution aller Zeiten

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Mein Kommentar:

Will Tuttle begreift Ernährung nicht bloß als Gesundheitsfrage noch als persönliche Lifestyle-Entscheidung – sondern als kulturellen Akt mit politischen Konsequenzen. Ein Gedanke, der bei einem solchen Thema provokant klingen mag, gewinnt im Lauf der Lektüre eine überzeugende innere Logik.

Sein Kernargument: Die routinemäßige Ausbeutung von Tieren wirkt als kulturelles Grundmuster – sie trainiert, über Generationen, die Akzeptanz von Dominanz, Kontrolle und Reduktionismus. Strukturen, die sich in Medizin, Medien und Politik nahezu identisch wiederholen. Besonders hat mich Tuttles Begriff des Hirtentums beschäftigt: die kulturell tief verankerte Selbstverständlichkeit, Tiere zu beherrschen und auszubeuten. Sein Argument: Wer dieses Muster von Kindheit an verinnerlicht, lernt auch, Herrschaft und Fremdbestimmung in anderen Bereichen als normal hinzunehmen.

Das bedeutet aber auch, dass man in dem Zuge das Akzeptanzmuster geübt hat, das technokratische Kontrolle erst gesellschaftsfähig macht. In „Das indoktrinierte Gehirn“ habe ich beschrieben, wo diese Akzeptanz neurobiologisch ansetzt: am Hippocampus als Organ der kritischen Einordnung — und warum seine Schwächung uns für Fremdnarrative empfänglich macht. Ich beschreibe den grundlegenden neurologischen Mechanismus. Tuttle untersucht im Buch eine kulturelle Ursache.

Besonders schätze ich seine nüchterne Unterscheidung zwischen echter vollwertiger Pflanzenernährung und stark verarbeiteten Industrieprodukten, die unter dem Label „pflanzlich“ vermarktet werden. Viele dieser Produkte fördern keine Gesundheit, sondern untergraben sie. Eine Ergänzung allerdings halte ich für unerlässlich; diese gilt jedoch für jede Ernährungsweise, die konsequent pflanzliche eingeschlossen: Ohne gezielte Versorgung mit aquatischen Omega-3-Fettsäuren (siehe „Die Algenöl-Revolution“) kommt niemand aus —dasselbe gilt für einen Großteil der Menschen auch für Lithium in Mikrogramm-Mengen (siehe „Das Lithium-Komplott“). Das ist jedoch kein Widerspruch zu Tuttles Grundanliegen, sondern bloß eine nüchterne Anforderung an alle.

Ich wurde gebeten, für die deutsche Ausgabe das Vorwort zu schreiben – und habe das sehr gerne getan. Was seinen Ansatz mit meiner Arbeit verbindet, ist das Spannungsfeld zwischen persönlichem Handeln und gesellschaftlicher Verantwortung – bei Tuttle zunächst für die Freiheit der Tiere, aber in letzter Konsequenz dadurch auch für den Menschen – und die Frage, wie Fremdbestimmung konkret reduziert werden kann. Tuttle liefert einen Versuch, in diesem Spannungsfeld anzusetzen, der unsere ernsthafte Prüfung verdient.

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