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Alexander Unzicker ist für mich ein ausgesprochen cooler Denker. Einer, der sich nicht damit zufriedengibt, innerhalb der üblichen Grenzen seines Fachgebiets zu argumentieren, sondern Zusammenhänge sucht, die andere vielleicht gar nicht erst in Betracht ziehen. Dabei verfügt er über ein erstaunlich breites Wissen, das von der Physik und Kosmologie über Evolutionsbiologie und Neurowissenschaften bis zur künstlichen Intelligenz reicht. Und das Bemerkenswerte: Er schafft es, selbst äußerst komplexe Fragen so verständlich und unterhaltsam darzustellen, dass man ihm auch ohne spezielles Hintergrundwissen mühelos folgen kann.
Sein neues Buch stellt eine Frage, die uns alle angeht: Was geschieht mit der Menschheit, wenn wir eine Intelligenz erschaffen, die uns nicht nur in einzelnen Fähigkeiten, sondern möglicherweise grundsätzlich überlegen ist? Was bedeutet das für unser Selbstverständnis, unsere Zukunft und unsere Stellung in der Evolution?
In erstaunlich vielen Punkten decken sich Unzickers Überlegungen mit meinen eigenen. Das betrifft insbesondere die Geschwindigkeit der KI-Entwicklung, die wir trotz aller bisherigen Erfahrungen noch immer unterschätzen, unsere Neigung, menschliche Fähigkeiten vorschnell für einzigartig zu halten, und die grundlegende Bedeutung wissenschaftlicher Neugier und unabhängigen Denkens.
Aber es gibt auch erhebliche Unterschiede. Nicht jede seiner Schlussfolgerungen überzeugt mich. So halte ich beispielsweise die Annahme, eine superintelligente KI müsse uns Menschen als ihre Schöpfer erhalten, für keineswegs zwingend. Auch seine Vorstellung, die biologische Evolution beziehungsweise die Biosphäre könne als eine Art Backup digitaler Intelligenz dienen, wirft für mich mehr Fragen auf, als sie beantwortet.
Doch gerade diese Diskrepanzen machen das Buch für mich besonders wertvoll. Unzicker liefert keine gedankliche Komfortzone, in der man seine eigenen Überzeugungen einfach bestätigt findet. Er fordert dazu heraus, weiterzudenken, Gegenargumente zu entwickeln und auch scheinbar plausible Schlussfolgerungen nochmals auf ihre Voraussetzungen zu prüfen.
Das ist für mich ein wesentliches Merkmal guter Wissenschaft – und guter Sachbücher.
„Was tun mit der Menschheit?“ ist ein kenntnisreiches, provokantes und dabei ausgesprochen gut lesbares Buch über eine Entwicklung, deren Tragweite wir vermutlich erst ansatzweise begreifen.
Meine klare Leseempfehlung – ausdrücklich auch für Menschen, die Unzicker nicht in allem zustimmen. Vielleicht sogar gerade für sie.
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