Aus Michaels Bücherecke:

Hermann-Theodor Ploppa

Der Neue Feudalismus

Privatisierung, Blackrock, Plattformkapitalismus

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Ich habe mit Hermann-Theodor Ploppa ein Gespräch geführt, das Video finden Sie hier:

Mein Kommentar:

Ich bin in einem kleinen evangelischen Dorf aufgewachsen und war dort der einzige katholisch getaufte Schüler meiner Klasse, während im drei Kilometer entfernten Nachbardorf praktisch jeder katholisch war. Verstanden habe ich das lange nicht. Hermann Ploppa liefert die Erklärung: Der Lehensherr verfügte über seine Untertanen bis hinein in ihren Glauben. Dieses absolute Monopol ist eines von mehreren Merkmalen, an denen Ploppa den klassischen Feudalismus festmacht. Weitere sind die Kluft zwischen Arm und Reich ohne jede soziale Mobilität, Willkür statt Rechtsstaatlichkeit und leistungsloses Einkommen.

Die Übereinstimmung mit der Gegenwart ist auf einer abstrakteren Ebene so grundlegend, dass ihr niemandem entgehen kann, der mit offenen Augen auf die heutige Politik blickt. Ploppas anschaulichstes Beispiel ist Trumps „Board of Peace“. Den Vorsitz hat Trump auf Lebenszeit inne, und die dauerhafte Mitgliedschaft erkaufen sich Staaten für eine Milliarde Dollar. Ich musste beim Lesen vor allem an 2020 denken: Wer an das verordnete Narrativ nicht glaubte, wurde aussortiert, und Prinzipien des Rechtsstaats wurden mit präzedenzloser Unverfrorenheit ignoriert. Spätestens an dem Punkt hätte jeder erkennen können, dass wir uns wieder in Richtung eines neuen Feudalismus bewegen.

Besonders erhellend ist Ploppas Unterscheidung zwischen zwei Lagern, die oft verwechselt werden. Die Neoliberalen um Ludwig Erhard wollten einen starken Staat, der Konzerne und Kartelle kontrolliert. Die Marktradikalen dagegen wollen den Staat abschaffen; ihre Linie zeichnet Ploppa von Mises und Hayek bis zu Hoppe und Peter Thiel nach. Mein Eindruck ist, dass der Staat längst zur Marionette geworden ist. Ob die Glyphosat-Zulassung verlängert oder dagegen gekämpft wird, dass nicht-genmanipulierte Lebensmittel entsprechend ausgewiesen werden: Die Ressorts handeln im Sinne reicher Unternehmer und nicht der Bevölkerung. Ploppa beschreibt den Vorgang eindrücklich: Erst schießt man dem Staat ins Bein, dann verweist man darauf, dass er nicht mehr laufen kann.

Bleibt die Frage, warum wir eine über rund tausend Jahre erkämpfte Freiheit so leicht wieder abgeben. Ploppas Antwort ist die „Honigfalle des Konsumismus“. Ich habe sie erst kürzlich im erweiterten Kreis meiner eigenen Familie gehört: Man habe zwar etwas weniger Demokratie als früher, aber es gehe einem doch gut. Ploppa erinnert jedoch daran, dass Genossenschaften, Sparkassen und Subsidiarität nicht geschenkt, sondern erkämpft wurden.

Wer verstehen will, wie all das zusammenhängt, findet hier ein spannendes und wissenschaftlich gut begründetes Buch. Es verknüpft die vielen Einzelbeobachtungen der vergangenen Jahre zu einem Gesamtbild, und seine Quellen laden zum Weiterforschen ein.

 

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